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Staudenmann, Giger und Wicki sind die meistgenannten Königsanwärter

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Staudenmann, Giger und Wicki sind die meistgenannten Königsanwärter

29. August 2025, 05:01 Uhr
Jubelt Joel Wicki auch im Jahr 2025? Der König von Pratteln 2022 ballt die Faust nach dem Sieg heuer auf dem Brünig
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Die Liste der Königsanwärter am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest am Wochenende in Mollis ist lang. Joel Wicki, der König 2022, Fabian Staudenmann und Samuel Giger heissen die Favoriten.

Gemessen an den Resultaten der letzten drei Kranzfest-Saisons läuft der Triumph in Glarus über Fabian Staudenmann. Der 25-jährige Berner war 2023 und 2024 der beste und erfolgreichste Schwinger und er führt die inoffizielle, aber durchaus aussagekräftige Jahreswertung der Fachzeitschrift «Schlussgang» auch in diesem Jahr wieder an.

Fünf Kranzfeste konnte Staudenmann heuer gewinnen, darunter mit dem Stoos und dem Weissenstein zwei der prestigeträchtigen Bergfeste. Schon beim letzten Eidgenössischen in Pratteln hatte er zum Favoritenkreis gezählt. Am Ende reihte er sich hinter Wicki auf Platz 2 ein.

Dass er dem Druck eines Anlasses mit eidgenössischer Prägung standhalten kann, zeigte er eindrücklich im vergangenen Jahr am Eidgenössischen Jubiläumsschwingfest in Appenzell. Dort führte er eine bärenstarke Berner Mannschaft an und holte gemeinsam mit dem in diesem Sommer verletzten Fabio Hiltbrunner den Sieg.

Gigers Fluch

Eidgenössische Feste sind aber mitunter nicht zu vergleichen mit anderen Schwingfesten. Sie finden nur alle drei Jahre statt, dauern zwei Tage, alles ist mehrere Nummern grösser und die öffentliche Aufmerksamkeit mittlerweile gigantisch. Nicht alle können damit umgehen. Matthias Sempach 2013 in Burgdorf war der letzte Favorit, der seiner Rolle gerecht wurde. Seither tat sich manch «Böser» schwer damit.

Davon kann nicht zuletzt Giger ein Lied singen. Der Thurgauer gehörte schon 2019 zu den Topfavoriten und vor drei Jahren in Pratteln sprach gar alles für den Musterathleten. Beide Male fiel Giger jedoch frühzeitig aus der Entscheidung. Überwindet er den Fluch, dann ist mit dem Nordostschweizer mehr als nur zu rechnen.

Giger gewann in diesem Jahr wie Staudenmann fünf Kranzfeste und bewegte sich leistungsmässig in etwa auf demselben Niveau wie sein Berner Kontrahent. Doch beide erlitten auch kleinere Rückschläge in den Monaten vor dem Höhepunkt. Beide fanden sich an den Kranzfesten öfters auf dem Rücken als auch schon (Staundemann viermal, Giger zweimal), was in Jahren mit Eidgenössischem Fest aber durchaus nicht ungewöhnlich ist. Dennoch: Auch wegen ihrer «zahlreichen» Niederlagen sind sie in Glarus nicht die einzigen Favoriten.

Wicki ist zurück

Wobei: Dies wären sie ohnehin nicht gewesen. Denn mit Joel Wicki gehört auch der König von Pratteln wieder zu den Sieganwärtern. Der Innerschweizer musste zwar am Jubiläumsfest vor einem Jahr eine herbe Niederlage einstecken und im Juni bremste ihn eine Knieverletzung. Doch Wickis Fahrplan stimmt, er kehrte stark zurück.

Nach seiner Verletzungspause siegte er am Innerschweizer Fest, an dem er unter anderem Giger hinter sich liess, und auf dem Brünig, dort im Schlussgang gegen Matthias Aeschbacher, gegen den er in Pratteln in der Endausmarchung seinen Königstitel perfekt gemacht hatte. Es wäre keine Überraschung, wenn Wicki als erster Schwinger seit Jörg Abderhalden (2004 und 2007) zwei Eidgenössische in Folge gewinnt.

Wickis Handicap - oder vielmehr dies der Innerschweizer: Nebst ihm besitzt der grösste Teilverband mit Pirmin Reichmuth derzeit nur einen weiteren echten Königsanwärter. Die Berner und die Nordostschweizer sind deutlich breiter aufgestellt. Dies war allerdings vor drei Jahren nicht anders. Wicki liess sich davon nicht einschüchtern und von keinem Kontrahenten bezwingen.

Die Wichtigkeit der Breite

Eine starke Mannschaft kann einem Verband helfen, wenn es einem Spitzenschwinger nicht läuft oder wenn es gilt, einen Kontrahenten auszubremsen und dafür einen eigenen Schwinger zu «opfern». In dieser Sparte wussten vor allem die Berner in den letzten Jahren dank ihrer breiten Spitze zu gefallen.

Auch in diesem Jahr ist der Bernisch-Kantonale Schwingerverband breit aufgestellt, ideale Voraussetzungen, um den Titel wieder in seine Reihen zu holen. Nebst Staudenmann wird nicht zuletzt Michael Moser hoch gehandelt. Der erst 20-jährige Newcomer feierte unter anderem in der «Höhle des Löwen», am Nordostschweizerischen Teilverbandsfest, einen grossen Sieg. Dazu kommen mit Aeschbacher, Adrian Walther oder auch Curdin Orlik weitere Trümpfe, die es in Mollis im Idealfall auf den Thron schaffen können.

Ein Orlik gehört auch bei den Nordostschweizern zu den Anwärtern auf den Sieg. Curdins Bruder Armon führt zusammen mit Giger die Nordostschweizer Equipe an, die ausserdem auch auf Damian Ott, Werner Schlegel oder auch Domenic Schneider setzen kann. Mit Aussenseiter-Chancen gehen die anderen beiden Verbände aus der Nordwestschweiz (Nick Alpiger, Joel Strebel) und der Südwestschweiz (Lario Kramer) an den Start.

Es warten Ruhm und «Zibu»

Wer auch immer von den 274 Teilnehmenden am Sonntagabend den Siegermuni «Zibu» überreicht erhält, der wird in ein neues Leben hinein katapultiert. Nicht nur die 56'000 Zuschauer in der imposanten Arena und die Zehntausenden auf dem Gelände werden den neuen König huldigen. Schwingerkönige gehören mittlerweile zu den bekanntesten Gesichtern der Schweiz. Es warten Ruhm, Bekanntheit und ein Eintrag mindestens in die Schwinger-Geschichtsbücher. Es dürfen diesmal viele darauf hoffen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. August 2025 05:01
aktualisiert: 29. August 2025 05:01