Die Stimmen der Schweizer Stars zu Weltklasse Zürich
Für Andrey Werro war der Final der Diamond League vor der Freiluft-Saison noch kein realistisches Ziel. An den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Paris schied die 21-jährige Freiburgerin noch im Hoffnungslauf aus. Dennoch war der Sieg im Letzigrund alles andere als eine Überraschung.
Dass ein solcher möglich ist, unterstrich Werro am vergangenen Sonntag an den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld, an denen sie mit dem nationalen Rekord von 1:56,29 Minuten in der Jahresweltbestenliste hinter der in Zürich abwesenden britischen Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (1:54,74) auf den 2. Platz vorrückte - und dies von der Spitze weg. Die eigene Bestmarke verbesserte sie um 96 Hundertstel.
«Wir hatten einen grossen Trainingsblock gemacht die letzten Wochen, ich wusste, dass ich gut in Form bin», sagte Werro nach diesem Coup. Danach gefragt, ob eine Zeit unter 1:56 Minuten möglich sei, antwortete sie: «Das ist mein Traum für diese Saison, aber es ist schwierig, es braucht ein perfektes Rennen.»
Nun ging dieser Traum schon vier Tage später in Erfüllung. Werro lief wieder von vorne weg, nachdem die Tempomacherin nach 500 m ihren Job erledigt hatte. «Das Rennen war ja sehr schnell und ich dachte, dass es vielleicht nicht die beste Taktik ist, aber ich fühlte mich am Ende sehr stark. Zudem hat mir das Publikum enorm geholfen.» Nun gilt es für Werro, ihre Topform für die am 13. September beginnende WM in Tokio zu konservieren.
Ditaji Kambundji kann viel mitnehmen
Ditaji Kambundji egalisierte mit 12,40 Sekunden den eigenen Schweizer Rekord, obwohl sie an der letzten Hürde anhängte und ein Gegenwind von 0,6 m/s blies. «Es kann so schnell passieren, dass man irgendwo anschlägt», sagte die 23-jährige Bernerin. «Bis dahin war es ein sehr gutes Rennen. Ich habe das Gefühl, dass ich mich extrem auf mich konzentrieren konnte. Jedenfalls kann ich sehr viel aus diesem Rennen mitnehmen. Die Form stimmt schon länger.»
Dass Ditaji Kambundji in diesem Jahr konstant auf sehr hohem Niveau läuft, führt sie darauf zurück, dass «gewisse Sachen nun gefestigt sind und ich darauf aufbauen kann.» Zudem hat sie eine höhere Grundschnelligkeit - darauf wurde in diesem Jahr ein grosser Fokus gelegt - und blieb sie heuer in Gegensatz zum vergangenen Jahr gesund. «Ich kann im Moment, egal was passiert, ziemlich konstant anständige Zeiten laufen. Nun braucht es einfach noch das eine Top-Rennen», sagte Ditaji Kambundji, die sich eine Zeit von unter 12,30 Sekunden zutraut. Mit diesem Selbstvertrauen reist sie nach Tokio.
Joseph unzufrieden
Mit Jason Joseph über 110 m Hürden hätte beinahe ein dritter Schweizer am Donnerstag den Sprung aufs Podest in einer Diamond-League-Disziplin geschafft. Der 26-jährige Basler verpasste dieses mit 13,22 Sekunden als Vierter um einen Hundertstel. «Es war kein gutes Rennen», sprach Joseph Klartext. Er merke, dass (wegen Hamstring-Problemen im letzten Trainingsblock) ein, zwei Einheiten fehlen würden, um wirklich konstant laufen zu können. «Mit einer solchen Zeit trotzdem Vierter zu werden, ist objektiv betrachtet echt solid, aber für das war ich nicht hier.»
Die Konstanz will sich Joseph nun mit ein, zwei guten Hürdentrainings holen. Er ist überzeugt, dass dies reicht. Eine Zeit von unter 13 Sekunden ist bei ihm sehr präsent. Wenn er alles wie gewünscht umsetzen könne, dann sei das möglich, ist der letztjährige EM-Dritte überzeugt. Wie auch immer sind die Perspektiven für das Schweizer Team in Tokio viel versprechend, das hat Weltklasse Zürich gezeigt. Am Mittwoch hatte ja schon Simon Ehammer im Weitsprung triumphiert.