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«Bin auf hohem Niveau am Motzen»

Leichtathletik

«Bin auf hohem Niveau am Motzen»

28. August 2025, 04:30 Uhr
Jason Joseph kann mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein
© KEYSTONE/TIL BUERGY
Der Hürdensprinter Jason Joseph findet nach einem Seuchenjahr zur alten Stärke zurück. Er fühlt sich bereit für einen Coup am Donnerstag bei Weltklasse Zürich, dem Final der Diamond League.

An den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld gelingt Jason Joseph im Final über 110 m Hürden alles andere als ein perfekter Lauf. Die Zeit stoppt nach 13,27 Sekunden. Nach den 13,16 Sekunden im Halbfinal hat er sich deutlich mehr erhofft. «Die Zeit ist solid», sagt der 26-jährige Basler danach. «Ich bin in dieser Saison auf hohem Niveau am ‹Motzen›.»

In der Tat: Im vergangenen Jahr verzeichnete Joseph eine Bestzeit von 13,25 Sekunden. Heuer egalisierte er schon zweimal den eigenen Schweizer Rekord von 13,07 Sekunden. Seine schwächste Zeit in dieser Saison beträgt 13,28 Sekunden - das Meeting in Monaco (17,32) nicht eingerechnet, da er dort an der vierten Hürde anhängte und ins Stolpern geriet. Er läuft in diesem Jahr auf konstant hohem Niveau.

Schon 2023, als er erstmals 13,07 Sekunden schaffte, hatte Joseph regelmässig gute Leistungen gezeigt. Die Rückkehr zu seiner früheren Trainerin Claudine Müller Ende 2022 nach zwei Jahren beim amerikanischen Startrainer Rana Reider zahlte sich aus. Zwar wurde der Baselbieter in Florida schneller und stärker und sah er, wie Top-Athleten trainieren. Jedoch wurde wenig an der Hürdentechnik gearbeitet, weshalb es ihm nicht gelang, die höhere Geschwindigkeit optimal umzusetzen. Deshalb setzt er nun wieder voll auf das Know-how von Müller. «Ich brauche Claudine.»

2024 von Verletzungen geprägt

Dass Joseph 2024 nicht auf Touren kam, war in erster Linie auf Verletzungen zurückzuführen. Nach dem ersten Wettkampf Mitte Mai machte ihm der Hamstring zu schaffen, weshalb er erst vier Wochen später an der EM wieder antreten konnte. Zwar gewann er dort trotz einer bescheidenen Zeit von 13,43 Sekunden Bronze. Doch als die Form langsam wieder kam, bekundete er Probleme mit der Achillessehne.

In der Folge habe er abermals nicht richtig trainieren können, blickt Joseph zurück. «Ich nahm die ganze Saison Schmerzmittel, die dann auch nichts mehr brachten. Ich konnte nie etwas aufbauen. Es war eigentlich immer eine Schadensbekämpfung. Nach der Hallen-Saison spürte ich, dass es mit der Achillessehne immer besser geht. Ich wusste, dass es funktioniert, wenn ich durchtrainieren kann.»

Zudem hat er die Einstellung geändert. War der Athlet mit schweizerisch-karibischen Wurzeln früher vor und während den Rennen in Gedanken bei seinen Gegnern, hat er nun gelernt, sich auf sich selber zu fokussieren. Dies auch dank eines Mentaltrainers. «Ich weiss, wozu ich fähig bin. Das ist das Einzige, was zählt. Dann kommt der Fokus von allein», sagt Joseph. Ausserdem hat er nun einen Ernährungsberater - und auch auf den Schlaf legt er noch mehr Wert.

Auf dem richtigen Weg

«Der Körper ist fit», sagt der Hallen-Europameister von 2023 über 60 m Hürden. «Ich fühle mich echt gut. Es ist alles da, was ich brauche. Nun geht es nur noch darum, alle Elemente zusammenzusetzen, damit es richtig schnell wird. Der Weg stimmt. Ich zeige immer wieder, was ich kann. Das ist die Hauptsache.»

Mit «richtig schnell» meint Joseph eine Zeit von unter 13 Sekunden. Diese magische Marke im Hürdensprint traut er sich schon länger zu - und würde er nur allzu gerne beim Final der Diamond League vor heimischem Publikum im Zürcher Letzigrund erstmals unterbieten. Zwar sind die Wetterprognosen für den Donnerstag schlecht, doch hat der Amerikaner Cordell Tinch an der Athletissima gezeigt, dass trotz strömenden Regens Top-Zeiten möglich sind. Er siegte in Lausanne in 12,98 Sekunden.

Tinch ist auch in Zürich derjenige, denn es zu schlagen gilt. Der 25-Jährige hält mit 12,87 Sekunden die Jahresbestzeit und gewann 2025 viermal im Rahmen der Diamond League, zweimal wurde er zudem Zweiter. Einer der beiden Bezwinger war Jason Joseph in Rom. Der Schweizer stand auch in Paris als Dritter auf dem Podest. «Das zeigt, dass alles möglich ist.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. August 2025 04:30
aktualisiert: 28. August 2025 04:30